Rhetorik-Schnipsel

12. Mai 2016

Vizekanzler und SPD-Parteichef Sigmar Gabriel will die SPD wieder stärker als Gerechtigkeitspartei profilieren. Dies sagte er in diesen Tagen auf einer Wertekonferenz der Partei in Berlin. Mit der Konferenz leitete die SPD die programmatische Debatte vor der Bundestagswahl 2017 ein. Bezüglich der AGENDA-Reformen unter Gerhard Schröder räumte Gabriel in seiner Rede auch Fehler ein, die korrigiert werden müssten. Die BILD kommentiert die vom Manuskript abgelesene Rede später etwas lakonisch: “Kein rhetorisches Feuerwerk, wenige Bonmots, kaum Pointen.”

Eine kraftvolle, aufrüttelnde Rede zur Lage Europas hielt Anfang Mai Papst Franziskus in Rom. Anlässlich der Verleihung des Karlspreises redete der diesjährige Preisträger den Europäer ins Gewissen und forderte sie auf, sich die Gemeinschaft nicht kaputt machen zu lassen. “Eine klare Absage an alle Rechten und Nationalisten, die sich in ihrer Fremdenfeindlichkeit auf der Seite der Kirche wähnen”, schrieb der SPIEGEL.

Mit einer Rede ganz anderer Art sorgte der Satiriker und fraktionslose EU-Parlamentarier Martin Sonneborn (DIE PARTEI) vor kurzem für Aufregung. In seiner Rede bezeichnete er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im EU-Parlament als “den Irren vom Bosporus”. Damit kritisierte er das Vorgehen Erdogans, der verhindern wollte, dass in einem Kunstprojekt der Dresdner Sinfoniker der Genozid durch die Türkei an Armeniern als “Genozid” bezeichnet wird. Sonneborn empfahl den Dresdner Musikern, das Wort “Genozid” durch das Wort “Völkermord” zu ersetzen. Der Satiriker kommentierte seine Rede später bei YouTube selbst mit den folgenden Worten: “Meine Rede gestern Abend war die einzige, die von links UND rechts Beifall erhielt: je ein Klatscher.”

Eine Rede als “transmediale Erzählung”

26. Januar 2016

Wer heute mit seiner Rede eine über den Auftritt hinausreichende Wirkung erzielen will, der kann – anders als früher – eine große Vielzahl von Kommunikationskanälen nutzen.

Viele Politiker und Unternehmen in Deutschland tun dies auch bereits, vor allem auf der digitalen Schiene: Sie twittern die Kernbotschaften der Rede, sie stellen Auszüge ihrer Rede bei Facebook ein, sie posten ein Foto des Redeauftritts bei Instagram oder bieten das gesamte Manuskript im Internet zum Download an. Je nach Anlass wird zudem – das dann eher konventionell – noch eine Pressemeldung veröffentlicht, in der der Redner mit zentralen Aussagen zitiert wird. Ziel ist es in allen Fällen, die Kernaussagen der Rede möglichst weit “unters Volk” zu bringen – über die räumlichen Begrenzungen des Vortragssaals hinaus.

Klaviatur digitaler Kommunikation

Einer der Wegbereiter dieser Entwicklung ist US-Präsident Barack Obama, speziell bei der alljährlichen State of the Union Adress (“SOTU”). Die Methoden und Strategien sind sicherlich nicht ohne Weiteres auf deutsche Redeanlässe zu übertragen, zeigen aber, welche Möglichkeiten mittlerweile bestehen, wenn die ganze Klaviatur digitaler Kommunikation genutzt wird und zudem die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen.

Früher als andere erkannten Obama und sein Team die zahlreichen, insbesondere technischen Möglichkeiten, um die Wirkung einer Rede in den Medien und der Öffentlichkeit zu erhöhen und sie in eine – wie es der amerikanische MIT-Professor Henry Jenkins nennt – “transmedialen Erzählung” zu verwandeln. Diese ist vor allem durch einen weiten Spannungsbogen gekennzeichnet, der – in den verschiedensten digitalen Formaten – von der Ankündigung der Rede, über den Auftritt selbst (und seine intensive mediale Begleitung) bis hin zur Nachbereitung reicht.

Das heißt: Der eigentliche Redeauftritt allein genügt den Digitalstrategen des Weißen Hauses schon längst nicht mehr. Sie versuchen die Wirkung der Rede zu maximieren und – so heißt es in der digitalen Agenda 2016 – die “Menschen dort zu erreichen, wo sie sind”. Die Bürger sollen die Rede möglichst live auf dem Smartphone mitverfolgen, sie kommentieren oder die Botschaften über Twitter oder andere soziale Plattformen weiterverbreiten.

Hohe Innovationsfreude

Bemerkenswert ist dabei der Mut und die Innovationsfreude, mit der das “Team Obama” jedes Jahr neue Dinge ausprobiert und damit letztlich auch heute noch die Standards in der digitalen Politikkommunikation setzt. Der Politikwissenschaftler Dr. Erik Meyer kam in einem Artikel vor kurzem treffend zu dem Schluss: “Unter Obama ist die … Rede … zu einer Leistungsschau digitaler Regierungskommunikation avanciert.”

Die diesjährige State of the Union Adress Mitte Januar war dafür erneut das beste Beispiel. So begannen die Strategen des Weißen Hauses bereits lange vor dem eigentlichen Redetermin, auf den verschiedensten Plattformen über die Rede zu kommunizieren. Dazu gehörte unter anderem die Vorabveröffentlichung des Redetextes kurz vor der Rede auf der Website Medium. 2015 brach die Obama-Administration erstmals mit der Tradition, den Zugang zu dem Redetext im Vorfeld nur einem engen Kreis ausgewählter Redaktionen zu gewähren – was zu einiger Aufregung führte. 2016 ist das aber bereits “normal” und die Empörung darüber kaum noch zu spüren.

Die zentrale Adresse der Regierungskommunikation ist die Website des Weißen Hauses. Auf einer eigenen Unterseite zur State of the Union Adress finden sich umfassende und aufbereitete Inhalte zu den einzelnen Kernaspekten der Rede: ein Video der Rede (seit 2011 als Enhanced Live Stream mit Split-Screen-Modus), zahlreiche Bilder, Grafiken und vorbereitete “Text-Häppchen”, die mit nur einem Klick via Twitter, Facebook oder per E-Mail weiterverbreitet werden können sowie natürlich auch die Möglichkeit, sich weitere Informationen zu bestimmten Themen zuschicken zu lassen.

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Außerdem finden Interessierte einen Verweis auf andere Internetseiten, auf denen der Redetext ebenso in Gänze nachzulesen ist und am Tag der Rede in “real time” mitgelesen werden konnte: neben Medium auch auf Facebook Notes. Das Video der Rede ist auf der Internetseite des Weißen Hauses ebenso zu sehen wie bei YouTube und – erstmals seit diesem Jahr – auch bei Amazon Video, wo die Rede auch live übertragen wurde.

Eigene Gesetze

Neu war in diesem Jahr zudem die Verbreitung von Botschaften über den Instant-Messaging-Dienst Snapchat, der vor allem von jungen Internetnutzern genutzt wird. Darüber hinaus gehörte – neben den “Standards” Twitter und Facebook – die Veröffentlichung von kleinen GIFs auf Tumblr, kurzen Videos der Rede auf Vine, Fotos auf Instagram ebenso zum “transmedialen” Programm der Digitalstrategen. Sie wissen sehr genau – und das ist Teil des Erfolgs –, dass jede Plattform ihre eigenen Gesetze hat und daher unterschiedliche Herangehensweisen gefragt sind.

Auch die Reden der vergangenen Jahre können auf der Website des Weißen Hauses nachgelesen werden – und nicht nur das! Die Texte sind – und auch das war 2016 neu – mittels des Kommentierungstools Genius an zahlreichen Stellen angereichert mit Kommentaren und Anekdoten von Mitarbeitern und Wegbegleitern des Präsidenten sowie mit Grafiken und ergänzenden Informationen. Immer besteht für Leser zudem die Möglichkeit, Informationen über soziale Medien weiterzuverbreiten sowie Aussagen selbst zu kommentieren und so in einen Dialog einzutreten.

“SOTU-Standard” ist mittlerweile auch das im Nachgang der Rede stattfindende Interview des Präsidenten mit jeweils drei ausgewählten amerikanischen YouTube-Stars, mit dem Barack Obama seit einigen Jahren vor allem junge Zuschauer im Internet erreichen will. Auch damit war der US-Präsident letztlich ein Wegbereiter politischer Kommunikation, die auch in Deutschland ihre Nachahmer findet: Dass die deutsche Bundeskanzlerin sich im vergangenen Sommer erstmals von einem populären deutschen YouTuber interviewen ließ, kam also nicht ganz überraschend.

Noch Luft nach oben

20. Januar 2016

Kurz vor den anstehenden Hauptversammlungen der DAX-30-Unternehmen in diesem Frühjahr, zeigt ein Blick auf die Präsentationen der letztjährigen Hauptversammlungen, dass viele der größten deutschen Unternehmen noch Verbesserungsbedarf im Hinblick auf das Layout der Charts haben. Der allgemeine Layout-Trend zu einer aufgeräumten, eher reduzierten Gestaltung war zwar in einer Vielzahl der Präsentationen der DAX-30-Unternehmen bereits zu erkennen, dennoch krankten viele Präsentationen nach wie vor an einem Übermaß an Text, an zu komplexen (und damit auf den ersten Blick schwer verständlichen) Grafiken, an einer insgesamt zu nachlässigen Gestaltung und an einem Mangel an Kontrast. Einige wenige Präsentationen wirkten gar in die Jahre gekommen – machten einen lustlosen, uninspirierten und unmodernen Eindruck.

Aber es ging auch anders. Sehr gute bis herausragende gestaltete Präsentationen lieferten – zum Beispiel – Adidas, Daimler, Siemens, SAP, Telekom oder Volkswagen. Sie alle überzeugten mit einem meist sehr klaren, eher leichten und aufgeräumten Layout, das nicht nur modern und professionell wirkte, sondern zugleich auch die Verständlichkeit der Charts für das Publikum erhöhte. Vielfach nutzen die Unternehmen hochwertige anmutende Infografiken und Fotografien, ausgewogen gestaltete Grafiken oder visualisierte „Zahlencharts“, deren Sinn sich dem Betrachter sofort erschloss. Die am besten gestalteten Präsentationen zeichneten sich zudem durch sehr geringe Textanteile und eine hochwertige Anmutung aus, die insbesondere durch eine sorgfältig gewählte, zum Corporate Design passende Typografie, eine stimmige Farbauswahl und die Sorgfalt der Gestaltung insgesamt hervorgerufen wurde.

Fünf Tipps für bessere Präsentationen

10. Dezember 2015

Keine oder zu kleine Bilder, viel zu viel Text, konventionelle Master-Layouts, Wildwuchs und Dekoration – bei der Gestaltung von PowerPoint-Charts können Redner viel falsch machen. Dabei ist ein gutes Layout enorm wichtig, um als Redner die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer nicht zu verlieren. Aber nur Mut: Wer die wichtigsten Gestaltungsgrundsätze beachtet, kann mit nur wenigen Handgriffen oft schon viel verbessern.

Wer PowerPoint nutzt, muss auf der Hut sein. Nicht, dass dieses Programm schwierig zu verstehen wäre, im Gegenteil. Auf die Zuhörer aber hat der Einsatz von PowerPoint – in konventioneller Form und nach drei Jahrzehnten im Dauereinsatz in Unternehmen, Verbänden und Vereinen – meist eine verheerende Wirkung.

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„Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage…“ möchte man jedem Nutzer zurufen, der sein Publikum mit einer PowerPoint-Präsentation in Beschlag nehmen und überzeugen will, denn die Wirkungen können ähnlich verheerend sein, wie bei der Einnahme eines starken Sedativums. Die Zuhörer dämmern schon nach kurzer Zeit dahin – und sterben den „Death of PowerPoint“.

Die Symptome kennt fast jeder: Schon nach der ersten Folie werden die Augenlider schwer. Immer die gleichen, uninspirierten Abfolgen ähnlich gestalteter, oft überfrachteter Charts wirken ermüdend. Die schlechte Laune ist dann auch nicht mehr weit. Es ist beinahe wie früher: Haben Sie diese berüchtigten Dia-Abende mit 597 Dias aus dem letzten Spanien-Urlaub vielleicht geliebt? Die meisten sind auch damals früher oder später im Sessel versunken und haben die Augen geschlossen.

Die “Dia-Abend-Falle”

Viele Redner tappen mit PowerPoint heute genau in diese „Dia-Abend-Falle“: Sie zeigen alles, wo es doch auf Auswahl und Beschränkung ankäme. Sie missbrauchen die Charts als reine Lesehilfe, wo doch ein einziges Wort auf einem Chart vielleicht schon vollends genügen würde. Und vor allem: Sie verstecken sich im abgedunkelten Raum, ganz nach dem Motto: Die bunte Technikshow wird meine Zuhörer schon ganz von selbst von meinen Qualitäten und Botschaften überzeugen! Das ist aber mitnichten der Fall.

Dabei kann PowerPoint durchaus ein starkes Werkzeug sein – wenn der Redner weiß, wie er das Werkzeug benutzen muss. Oder schlagen Sie einen Nagel mit einem Schraubendreher in die Wand? Eben!

Seine Stärken kann PowerPoint vor allem dann entfalten, wenn es in zeitgemäßem Gewand daherkommt und auf jegliche Dekoration verzichtet, wenn es mit den konventionellen Gepflogenheiten bricht, wenn der Redner sich auf wenige, aber aussagekräftige Charts mit starken Bildern und wenig Text beschränkt und nicht zuletzt: wenn Informationen schon auf einen Blick verdeutlicht und die Botschaften des Redners so noch verstärkt werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein gelungene Präsentation ist immer eine Kombination aus einer guten Rede und gut gestalteten Charts. Aber was heißt „gut“?

Der Redner steht im Mittelpunkt, nicht die Charts

Ganz wichtig: Bevor Sie mit der Gestaltung Ihrer Charts beginnen, müssen Sie zunächst eine Struktur für Ihre Rede entwickeln, der dann die PowerPoint folgen kann. Dabei sollten die Charts in erster Linie zur Unterstützung und Verdeutlichung des Gesagten dienen, nicht andersherum. So können sie zum Beispiel schwierige Zusammenhänge durch eingängige Infografiken, passende Bilder oder bestimmte Schlagworte „auf einen Blick“ verdeutlichen. Noch mal: Eine Rede kann nur dann zum Erfolg werden, wenn das Zusammenspiel aus gesprochenem Wort, dem Auftritt des Redners und seiner Haltung zum Thema sowie der Präsentation als eine Einheit angesehen wird. Als Redner stehen Sie im Mittelpunkt, nicht die Charts.

Um zu einem professionelleren Layout Ihrer Charts zu kommen, das Ihre Worte wirkungsvoll unterstützt und die Zuhörer wach hält, sollten Sie wichtige gestalterische Grundsätze kennen und berücksichtigen. Dazu gehören insbesondere: Reduktion, Ordnung, Kontrast und Wiederholung. Und dabei ist es im Grunde egal, ob Sie Charts gestalten oder Visitenkarten. Wenn Sie diese Grundsätze beachten, erzielen Sie mit Sicherheit bessere Ergebnisse!

TIPP 1: Weniger ist mehr!

Das klingt so einfach, ist in der Praxis aber eine der beliebtesten Fehlerquellen – eben weil es dem Bestreben vieler Redner widerspricht, besonders präzise oder seriös wirken zu wollen. Viele Redner verzichten daher nur ungern auf Quellenangaben, Fußnoten, Seitenzahlen, Dekoration und Animationen – statt „Alles muss raus“ also lieber „Alles muss drauf“. Getreu dem Motto: Bloß nichts vergessen! Die Software bietet diese oder jene Funktion – dann muss das doch auch gut sein, oder? Nein, vergessen Sie das!

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Das Problem ist: „Quallenfett“ (Helmut Schmidt) oder „Chartjunk“, wie Edward Tufte das nannte, lenkt nur ab – in Reden wie in PowerPoints. Schließlich ist die Aufmerksamkeit jedes Menschen begrenzt. Wieso aber sollte man als Redner auf die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Publikums verzichten, in dem man die Blicke der Zuhörer mit unnötigem Beiwerk fesselt? Die Menschen im Saal müssen sich auf den für sie neuen Charts immer erst orientieren und das „kostet“ schlichtweg Aufmerksamkeit. Fesseln Sie ihr Publikum doch lieber mit Ihrer Rede!

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Verzichten Sie daher mutig auf alles Überflüssige. Schmeißen Sie Quellenangaben, Rahmenlinien, Logos, gemusterte Hintergründe oder auch Überschriften ruhig einmal in die „Chart-Mülltonne“. Zur Not nennen Sie die Quelle eben im Handout. Nehmen Sie statt fünf kleinen Bildern lieber ein großes, qualitativ hochwertiges Foto. Verzichten Sie auf ganze Sätze – meist reicht schon ein einzelnes Wort. Überlegen Sie gerade bei Diagrammen, was unbedingt notwendig ist – entfernen Sie alles andere. Fragen Sie sich bei allen Elementen auf der Seite: Welche Funktion hat das – oder kann das nicht doch weg? Hinzu kommt ja noch: Alles, was auf jeder Folie aufs Neue wieder und wieder an derselben Stelle auftaucht (Logos, Seitenzahlen,…), wirkt schnell auch monoton, also langweilig.

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„Qualität kommt von Qual“, betete einst Sprachpapst Wolf Schneider – und das gilt nicht nur für Texte. Also quälen Sie sich. Reduzieren Sie!

Wichtig zu verstehen ist: Schlicht und reduziert heißt nicht langweilig oder gar unseriös – eine reduzierte, „befreite“ Präsentation wirkt in der Regel gleich eleganter und geschmackvoller. Jeder spürt, dass sich der Redner Mühe gemacht hat und über die Ziele seiner Präsentation nachgedacht hat. Machen Sie es also mal radikal anders als die Masse – radikal einfach! Schon das alleine garantiert Ihnen übrigens die ungeteilte Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Überraschen Sie Ihr Publikum mit einer klaren, reduzieren, aber sehr fokussierten Präsentation. Es wird Ihnen für Ihren Mut danken – versprochen!

TIPP 2: Schaffen Sie Ordnung!

Wer alles Überflüssige entfernt hat, ist schon einen guten Schritt weiter. Wer sich mit dem Aufräumen eines bestehenden Charts schwer tut, kann auch den anderen Weg gehen und mit einem weißen Chart noch mal ganz von vorne beginnen – fügen Sie aber nur hinzu, was unbedingt auf dem Chart stehen soll. Und seien Sie streng, sehr streng!

Haben Sie sich vom Überflüssigen getrennt, heißt es nun weiter Ordnung zu schaffen. Nutzen Sie die Hilfsfunktion Raster und Führungslinien. Richten Sie die verschiedenen Elemente so aus, das jedes Element gestalterisch auf Ihrem Chart mit einem anderen Element in Beziehung tritt. Denn nichts (nein, rein gar nichts) sollte beliebig oder wahllos auf dem Chart angeordnet sein. Nicht jede Fläche muss bedeckt sein, haben Sie also keine Angst vor freien Bereichen. Layouter lieben diesen Weißraum, der eine gewisse Weite schafft und Luft zum Atmen gibt.

Pflege

Machen Sie sich bewusst, was optisch zusammengehört. Schaffen Sie eine visuelle Verbindung, beispielsweise durch unsichtbare Linien, an denen die Elemente ausgerichtet sind. Zur Ordnung gehört ebenso, inhaltlich Zusammengehöriges auch nah zusammenzurücken. Elemente, die in inhaltlicher Beziehung zueinander stehen, sollten auch eng beieinander stehen. Das vermeidet Orientierungslosigkeit und erhöht die Verständlichkeit – und zwar auf einen Blick.

Tipp 3: Kontrast, Kontrast, Kontrast!

Auch das ist im Grunde ein leicht zu befolgender Ratschlag, der in der Praxis aber noch zu oft missachtet oder mindestens unterschätzt wird, weil gestalterische Grundkenntnisse fehlen. Das Problem: Sind alle Elemente auf Ihrem Chart annähernd gleich groß (gleiche Schriftgröße, gleiche Schriften, gleiche Farben, gleiche Anordnung, etc.), dann weiß der Zuhörer nicht, wohin genau er als erstes schauen soll. Er muss sich die Inhalte – während er zugleich Ihrer Rede folgt – erst selbst erschließen und herausfinden, welches Element am wichtigsten ist. Das läuft unbewusst ab, kostet aber wertvolle Sekunden. Als Redner sollten Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums aber gezielt in die von Ihnen gewünschte Richtung lenken – und ihn nicht dem „Spiel der Gezeiten“ auf Ihren Charts überlassen.

Referenz

Also schaffen Sie Unterschiede, betonen Sie das Wichtigste – das sorgt für mehr Klarheit. Nicht umsonst sind Überschriften in Zeitschriften oder im Netz meist groß gesetzt und plakativ, der Fließtext aber klein.

Verzichten Sie aber bitte auf den roten Pfeil mit grünem Rand oder den aufpoppenden Stern in Neon-Gelb – das ist ausdrücklich nicht gemeint. In anderer Beziehung müssen Sie mutig sein: Zu geringe Unterschiede führen nicht zu dem gewünschten Effekt und wirken sich eher nachteilig aus. Eine Schrift in 16 Punkt zum Beispiel unterscheidet sich nicht deutlich genug von einer Schrift in 18 Punkt – das Layout wirkt dann eher unentschlossen oder sogar fehlerhaft. Arbeiten Sie also mit Schriftgrößen, die sich deutlich unterscheiden. Denken Sie groß – und dann machen Sie es auch groß! Arbeiten Sie mit Schwarz und Weiß. Nutzen Sie passende, kontrastierende Schriften. Setzen Sie auf „Bang“ statt „Bzzzz“!

Tipp 4: Wiederholen Sie sich!

Auf dem Weg zu einer neuen Gestaltung sollten sich nicht nur Clip-Art und Animationen auf dem PowerPoint-Friedhof beerdigen, sondern auch vordefinierte „Master-Layouts“. Diese mögen auf den ersten Blick verlockend sein, haben aber einige entscheidende Nachteile: Versierte Zuschauer erkennen ein solches Layout direkt und Sie stehen dann als jemand da, der den vermeintlich einfachsten Weg genommen hat – kein guter Start für eine Rede.

Master-Layouts enthalten zudem oft zu viele dekorative Elemente, die das Publikum nur von der Kernaussage der jeweiligen Charts ablenken. Insbesondere auch die in der Regel sehr gleichförmige Gestaltung (etwa mit Seitenelementen, die immer an derselben Stelle stehen) führt zu einem monotonen, eintönigen Gesamtbild – und damit zu Langeweile im Saal.

Das ist in etwa so, als ob Ihnen jemand bei einem Dia-Abend nur Bilder von Sonnenuntergängen zeigen, die immer vom selben Hotelfenster aus aufgenommen wurden – wie viele davon können Sie hintereinander ertragen? Um diese drohende Monotonie bei Ihrer Präsentation zu vermeiden, sollten Sie diese besser gleich von Grund auf selbst gestalten. Dazu dürfen Sie sich ruhig von den formalen Vorgaben und konventionellen Platzhaltern lösen. Sie sollten das sogar.

Aber Vorsicht: Werden Sie nicht beliebig! Mehr Freiheit bei der Gestaltung und die Abkehr vom Konventionellen bedeutet auch, dass Sie Gefahr laufen, den „visuellen Faden“ zu verlieren. Um das zu verhindern, müssen Sie ein weiteres, ganz zentrales Gestaltungselement beachten, die „Wiederholung“. Sie gibt der Präsentation Ordnung und Struktur und stärkt durch den entstehenden einheitlichen Gesamteindruck zugleich die individuelle Note Ihres Vortrags. Ein solches Layout zu entwerfen, ist mühsam, aber es lohnt sich.

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Immer wiederkehren sollten daher während Ihres Vortrags beispielsweise einige gezielt gewählte Farben, einige bewusst ausgesuchte Schrifttypen und die Größen der Schriften, zwei oder drei Hintergrundfarben oder – als Stilelement – auch eine gleiche Anmutung der genutzten Fotos. Schaffen Sie sinnvolle Elemente, die wiederkehren. Vermeiden Sie Beliebigkeit. Achten Sie auf Einheitlichkeit, also auf einen für Ihre Präsentation „typischen Look“. Das ist etwas ganz anders als Eintönigkeit!

Tipp 5: Lassen Sie sich inspirieren!

Entwickeln Sie einen Blick für gutes Layout – und lernen Sie gutes von schlechtem Layout zu unterscheiden. Schauen Sie sich die Charts von Barack Obama an (beispielsweise die der State of the Union), lernen Sie von den Präsentationen bei den Apple-Keynotes oder klicken Sie sich durch einige der unzähligen TED-Präsentationen. Surfen Sie im Internet beispielsweise bei SlideShare oder blättern Sie Wirtschafts- oder Nachrichtenmagazine durch, und zwar ganz gezielt nur mit dem Blick auf das jeweilige Layout. Studieren Sie Infografiken oder Diagramme in der Tagesschau, im Spiegel oder in der ADAC Motorwelt. Lesen Sie Bücher über modernes Design – und Ihre Morgenzeitung mit anderem Blick.

Stellen Sie Fragen: Was ist gut? Was gefällt nicht? Was kann man noch verbessern? Arbeiten die Layouter oder Werber mit Kontrast, und wenn ja: wie genau? Gibt es wiederkehrende Elemente, und wenn ja: wie viele und welche genau? Und passen Sie zur Marke? Wie sind die einzelnen Elemente in der Zeitungsannonce, dem Werbeplakat oder dem PowerPoint-Chart angeordnet? Stehen Sie visuell in Beziehung zueinander, und wenn ja, wie genau? Und: Was kann ich aus all dem für meine Präsentation nutzen und „ab-lernen“?

Schauen Sie sich um – die Welt ist voll von gutem (und auch weniger gutem) Design. Sammeln Sie Beispiele. Lernen Sie von anderen. Und versuchen Sie es doch mal besser zu machen und überarbeiten Sie ein verbesserungswürdiges Layout. Bemühen Sie sich, die einem gutem Design und Layout zu Grunde liegenden Mechanismen zu verstehen und für sich zu nutzen. Und dann legen Sie bei Ihrem nächsten Vortrag richtig los – und überraschen Ihre Zuhörer!

Mehr Applaus für Ihre nächste Rede

10. November 2015

Klatschen

Warum bekommen manche Redner viel Applaus und andere eher weniger oder sogar gar keinen? Eine Frage, die für den Erfolg einer Rede enorm wichtig zu sein scheint, drückt Applaus in der Regel doch hörbar die Zustimmung und das Wohlwollen des Publikums aus. Zudem tut er jedem Redner einfach nur gut. Da geht es Rednern nicht anders als Künstlern.

Bei einer Rede ohne Applaus hingegen scheint etwas nicht zu stimmen. Die Rede scheint – auch wenn sie inhaltlich interessant sein mag – den Geschmack des Publikums in gewisser Weise nicht zu treffen, wirkt dann oft sogar langweilig oder mindestens distanziert. Ganz wichtig: Die für den Erfolg der Rede so zentrale Verbindung zwischen Redner und Zuhörern kommt offenbar nicht zustande – der Redner bekommt keinen rechten „Draht“ zu den Menschen im Raum.

Insofern wäre es für Redner (und ihre Redenschreiber) doch wichtig, zu wissen, was genau sie tun müssen, um Applaus regelrecht zu „generieren“. Denn in der Tat: Das geht!

Der britische Redenschreiber Max Atkinson war Mitte der 1980er Jahre der erste, der eine Reihe von einfachen rhetorischen Techniken beschrieben bzw. zusammengestellt hat, um Applaus in Reden gezielt hervorzurufen („Claptrap“). Zu den wirkungsvollsten Mitteln zählt dabei insbesondere der Gegensatz („Kontrast und Antithese“), eine kurze Auflistung von drei Aspekten („3er Liste“), die Erzeugung eines vergleichsweise eher schwierigen Sachverhalts und dessen Auflösung („Puzzle – Solution“) und das Bekenntnis zu einer klaren Haltung („Position Taking“) – sowie nicht zuletzt eine Kombination aus diesen Techniken.

Anhand einiger Auszüge aus der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Tag der Deutschen Industrie (TDI) am 3.11.2015 in Berlin lässt sich exemplarisch zeigen, wie das in der Praxis funktioniert, auch wenn nicht überliefert ist, ob die Redenschreiber der Kanzlerin den Applaus sozusagen bereits bewusst ins Manuskript „geschrieben“ haben. (Video ab 00:26:25)

An einer Stelle zu Beginn der Rede erzeugt Angela Merkel zunächst einen klassischen Gegensatz („andere Regionen“ vs. „wir in Europa“). Mit der kontrastierenden Aussage spricht sie zugleich aber auch Befürchtungen in großen Teilen des wirtschaftsnahen Publikums an, das sich durch die Bemerkung ernst genommen fühlt.

„Denn andere Regionen der Welt werden sich ihre Wertschöpfung nicht verbieten lassen, weil wir in Europa nicht bereit sind, sie zuzulassen. So viel ist auch richtig. (APPLAUS)“

Auch Lob und Zuspruch sind starke Hebel, um ein Publikum zum Applaus zu bewegen. Merkel gelingt das in vorbildlicher Weise: Mit ihrer Aussage von der industriellen Wertschöpfung als „Rückgrat“ Deutschlands schmeichelt sie den Zuhörern, die das mit einem Applaus belohnen.

„In Europa muss das Bewusstsein dafür wachsen – das sage ich ganz offen –, dass die industrielle Wertschöpfung unser Rückgrat ist, wenn es darum geht, viele soziale Belange überhaupt bewältigen zu können. Es hat (BEGINNENDER APPLAUS) keinen Sinn, hier auf noch mehr Arbeitsplätze zu verzichten. (APPLAUS)“

Eine „3er Liste“ (kombiniert mit dem Stilmittel „Kontrast“ und einigen Dankesworten) findet sich ebenso. Auch hier der Lohn: kräftiger Applaus.

„Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar dafür, wenn Sie sagen, dass wir einen europäischen Ansatz brauchen. Und ich bitte Sie, dafür auch überall zu werben. (1.) Denn diejenigen, die heute in Europa meinen, sie seien davon nicht betroffen, (2.) werden morgen in irgendeiner Weise davon betroffen sein – (3.) und sei es dadurch (BEGINNENDER APPLAUS), dass man die Einheit Europas infrage stellt. (APPLAUS)“

Letztes Beispiel, eine Kombination aus „Antithese bzw. Kontrast“ und „Position Taking“: Merkel schildert zunächst die aus ihrer Sicht nicht hinreichend taugliche Gegenposition („Selbst dann…“), um am Ende ihre Position sehr klar zu machen („müssen darauf beharren“… „ansonsten“..).

„Selbst dann, wenn wir zu einem legalen Management kommen – zum Beispiel mehr finanzielle Unterstützung der Türkei, damit sie mit ihren Lasten besser fertig wird, und gleichermaßen die Bereitschaft Europas, zum Beispiel ein bestimmtes Kontingent an Flüchtlingen legal aufzunehmen –, müssen wir (JETZT ETWAS STAKKATO-ARTIG) darauf beharren, dass die Lasten innerhalb der Mitgliedstaaten der Europäischen Union fair verteilt werden. Ansonsten wird das ganze System nicht funktionieren. (APPLAUS)“

Die wenigen Beispiele zeigen deutlich: Jeder Redner sollte sich VOR seiner nächsten Rede Gedanken darüber machen, an welchen Stellen er seine Rede gegebenenfalls mit den genannten Techniken noch etwas zuspitzen kann.

Die Rede der Bundeskanzlerin ist übrigens größtenteils eine Manuskriptrede, von der sie nur an einigen wenigen Stellen abweicht – sich ganz eng an einem Manuskript zu orientieren, muss also nicht von Nachteil sein. Denn insbesondere mit Hilfe der geschilderten Techniken und – das macht Merkel ebenfalls richtig – durch Variationen in Tempo und Lautstärke können Redner selbstverständlich auch in Manuskriptreden Applaus und Begeisterung beim Publikum erzeugen.

Ein Gegenbeispiel lieferte kürzlich ausgerechnet Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der ohne Frage über rhetorisches Talent (neben enorm viel Training und Erfahrung) verfügt und normalerweise sehr gut weiß, wie man ein Publikum gewinnen und einen Applaus erzeugen kann. Auf dem Tag der Deutschen Industrie hat er dies – in freier Rede – auch erneut bewiesen. Er erhielt gleich mehrfach Applaus vom Publikum, wie hier zum Beispiel bei Verwendung eines „klassischen“ Gegensatzes.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die berufliche Bildung, das duale Bildungssystem, nicht als zweitklassig angesehen wird. Wir müssen es wieder schaffen, dass der duale Bildungsgang genauso wahrgenommen wird wie ein akademischer…“ APPLAUS)

Dass Gabriel bisweilen aber auch anders kann, zeigte sein Auftritt Mitte September bei der „Konferenz zur digitalen Transformation in Kreativwirtschaft, Handel und Mobilität“. Bei dieser Rede hielt er sich – anders als beim TDI – weitgehend an sein Manuskript, in dem – und dies ist zentral – die erwähnten „Applaus-Stilmittel“ aber leider eben nicht zu finden waren. Das Ergebnis war daher bezogen auf den Applaus wohl auch kaum zufriedenstellend: In rund einer halben Stunde gab nur es ein einziges Mal Zwischenbeifall vom Publikum.

Dass sich Applaus in Reden gezielt erzeugen lässt, hat Max Atkinson übrigens schon vor Jahren auch bei einem ganz speziellen Coaching bewiesen: Er schulte eine im öffentlichen Reden unerfahrene Hausfrau, um sie dann auf dem Parteitag der Social Democratic Party auftreten zu lassen. Diese übte die verschiedenen Techniken, wandte sie bei ihrer Rede an – und bekam viel Applaus. Ein Moderator der BBC kommentierte das Experiment daraufhin mit den Worten: „The most refreshing speech we’ve heard so far.“

Foto: By USDAgov [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

„Ach ne, das waren ja die Amerikaner!“

04. September 2015

Eine Rede ohne Humor ist immer eine vergebene Chance. Denn wem es als Redner gelingt, sein Publikum mit Selbstironie, einer humorvollen Geschichte oder einer passenden Pointe zum Lachen (oder zumindest zum Schmunzeln) zu bringen, hat vieles richtig gemacht. Denn: Das Wohlwollen des Publikums ist ihm in den meisten Fällen sicher – und die Zuhörer nehmen in der Folge auch die Argumente des Redner besser an.

Das bedeutet: Es geht beim Einsatz von Humor nicht vorwiegend darum, das Publikum zu unterhalten und sich etwa als Possenreißer einen Namen zu machen. Sondern es geht darum, mit Hilfe wohldosierten und angemessenen Humors seine Ziele zu erreichen: das Publikum von den eigenen Argumenten zu überzeugen und die Botschaft der Rede besser zu vermitteln. Schon der englische Schriftsteller William Hazlitt sagte: „Der Witz ist das Salz in der Rede, aber nicht die Rede selbst.“

Aber Vorsicht: Ein unpassende, humorvoll gemeinte Bemerkung kann auch schnell peinlich wirken. Das WIE ist also ganz entscheidend, sicher aber auch kein Hexenwerk. Aus Angst, einen Fehler zu machen, sollte kein Redner auf Humor verzichten.

Herzen der Zuhörer gewinnen

Worauf kommt es an? Wichtig ist, dass der Humor zum Redner, zum Publikum und vor allem auch zum Anlass passt. Dabei gilt in den meisten Fällen: Weniger ist mehr. Niemand muss den Kabarettisten oder Stand-up-Comedian aus dem Fernsehen imitieren oder gar übertreffen. Das würde den meisten Reden und den meisten Redeanlässen auch nicht gerecht. Die eigenen Erwartungen – etwa das Publikum mehrfach und anhaltend zum Lachen zu bringen – sollten daher auch nicht zu hoch geschraubt werden. Schon eine oder zwei humorvolle, dafür aber passende Bemerkungen reichen normalerweise aus, die Herzen der Zuhörer zu gewinnen.

Ohne gute Vorbereitung gelingt das erfahrungsgemäß meistens nicht. Sicher, es gibt auch den Humor, der spontan entsteht und der nicht schlecht sein muss. Besser ist es in den meisten Fällen aber, sich bereits im Vorfeld zumindest eine oder zwei humorvolle Bemerkungen oder Anekdoten zurechtzulegen und vor allem: zu üben!

Erwartungen des Publikums brechen

Als sehr wirkungsvoll hat es sich erwiesen – und das ist im Grunde auch der Kern jeden Humors und jeder Pointe – mit den Erwartungen des Publikums zu brechen. Das heißt: Selbst der bemühte Zuhörer kann in diesem Fall beispielsweise während des Erzählens einer Geschichte nicht vorhersagen, wo die Pointe liegen wird. Die dadurch aufgebaute Spannung löst sich dann mit einem Überraschungseffekt ganz plötzlich auf und entlädt sich im Lachen.

Lernen können Redner am besten von anderen Rednern und wenn es um den Humor geht, am besten von Kabarettisten und Büttenrednern. Denn sie beherrschen Modulation und Timing, und darauf kommt es eben ganz entscheidend an, in der Regel in Perfektion. Noch mal: Es geht nicht um Imitation, sondern um das „Ab-lernen“ der Funktionsweise von Humor, um das rechte Timing und richtig gesetzte Pausen.

Was passiert als Nächstes?

Ein glänzendes Beispiel für das Spiel mit Erwartungen des Publikums – und vor allem: dem Brechen dieser Erwartungen – liefert der Kabarettist Hagen Rether in seinem Stück „Nordkorea“, in dem sich die Zuhörer nie sicher sein können, was als nächste Wendung passiert. Immer wieder stellt Rether zunächst Bezüge zu angeblichen politischen Vergehen der – er drückt sich sehr drastisch aus – „Drecksnordkoreaner“ her, um sich dann ganz plötzlich zu erinnern, dass für diese Vergehen doch jemand anderes verantwortlich ist, nämlich „Ach, das waren ja die Amerikaner!“

Das funktioniert sogar mehrere Male hintereinander, bis er erneut mit den Erwartungen seiner Zuhörer bricht (die sich nun auf die Amerikaner als Schuldige eingestellt haben) und sich plötzlich nach einer weiteren Aufzählung von politischen Vergehen erinnert: „Ach, das waren ja wir.“ Und selbst damit ist er noch nicht am Ende seines humoristischen Könnens, denn er treibt das Spiel mit den Wendungen sprachlich immer weiter auf die Spitze. Aber sehen Sie selbst, das lohnt sich bis zum Ende!

“Ah, fuck it!”

24. Juni 2015

Welche Wirkung es haben kann, in einer Rede persönlich zu werden und Emotionen zu zeigen, beweist der Vortrag des mittlerweile verstorbenen amerikanischen Autors und Mediziners Sherwin Nuland, den er 2001 auf einer TED-Konferenz gehalten hat.

Nuland spricht in seiner Rede zunächst über die Entwicklung und Bedeutung der Elektrokonvulsionstherapie als Heilmittel für schwere, lebensbedrohliche Depressionen. Dann aber offenbart er sich seinem Publikum – und damit der Öffentlichkeit. Denn noch nie zuvor habe er darüber geredet, so Nuland, dass die Elektrokonvulsionstherapie auch ihn selbst vor Jahrzehnten von einer schweren Depression geheilt habe. Er habe sich daher entschlossen, seinen Lesern die Wahrheit zu sagen, weil er sich immer schuldig gefühlt habe: „Ich habe immer gefühlt, dass ich irgendwie ein Hochstapler bin, weil meine Leser nicht wissen, was ich ihnen (dem Publikum) gerade erzählt habe. … Also ist einer der Gründe warum ich heute hierher gekommen bin, um darüber zu sprechen, – ehrlich gesagt, egoistischerweise – mich selbst von dieser Last zu befreien und es bekannt zu machen.“ Der noch wichtigere Grund sei allerdings, dass er anderen Menschen Mut machen wolle, die in ähnlichen Situationen des Lebens seien. Sein Beispiel zeige, dass eine Heilung immer möglich sei – selbst wenn alle Befunde und Diagnosen dagegen sprächen.

Sicher, nicht jeder Redner wird bei seinem Redeauftritt ein solches „Geständnis“ wie Nuland abliefern können oder gar wollen. Eine Versammlung vor Mitarbeitern etwa oder eine Hochzeitsrede sind dafür auch eher der falsche Ort. Wenn es aber passiert und die ganze Person „sichtbar” wird – wie hier –, ist das Ergebnis in der Regel überwältigend und berührend und kann damit durchaus exemplarisch als Beleg dafür dienen, welche Kraft persönliche Elemente in einer Rede entfalten können. Denn erst wenn die eigene Haltung und der Charakter eines Redners („Ethos“) in einer Rede offenbar werden, ist eine Rede letztlich „vollständig“. Und das gilt auch schon in wesentlich geringerer Dosierung.

Bei allem Ernst spart Nuland zudem nicht mit Humor – ebenfalls ein starkes rhetorisches Mittel –, der seine Anspannung und die des Publikums deutlich mindert. Das zeigt auch: Selbst (und gerade) ernsten Themen lassen sich humorvolle Seiten abgewinnen.

Misten Sie mal bei den Mythen aus

17. Juni 2015

Sie wollen Ihr Publikum als Redner begeistern? Dann sollten Sie vieles von dem vergessen, was Sie bisher über die Kunst des Redens gehört haben. (Mehr zu diesen Themen finden Sie natürlich in der gedruckten Ausgabe des “befreiten Wortes”.)

„Halten Sie bloß keine Manuskriptreden.“ Natürlich, wer frei sprechen kann, sollte und kann das tun. Aber eine Rede vom Blatt abzulesen, muss nicht falsch sein. Die Frage ist keine Frage des „Ob“, sondern eher des „Wie“. So waren auch einige der berühmtesten Reden der Geschichte Manuskriptreden: Martin Luther King zum Beispiel las sein weltbekanntes „I have a dream“ zu großen Teilen vom Blatt ab. Den Unterschied macht, dass er genau wusste, worauf es beim Reden vom Blatt ankommt: nämlich Blickkontakt, Pausen, eine lebendige und bildreiche Sprache. Im Übrigen kann ein Manuskript gerade für Anfänger hilfreich sein: Allein die Tatsache, dass Sie sich als Redner an etwas festhalten können, gibt Ihnen mehr Sicherheit.

„Seien Sie authentisch.“ So authentisch etwa wie Josef Ackermann bei seinem berühmten Auftritt im Gerichtssaal? Der ehemalige Chef der Deutschen Bank war vermutlich sehr „authentisch“ als er mit den Fingern das Victory-Zeichen formte – zu seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender und Angeklagter passt das aber überhaupt nicht. Das bedeutet: Auch als Redner sollten Sie nicht den Fehler machen, Ihre persönliche Authentizität mit Ihrer „Rollen-Authentizität“ zu verwechseln. Denn authentisch zu wirken, ist nicht dasselbe wie authentisch zu sein. Vielmehr müssen Sie Ihre jeweilige „Rolle“ ausfüllen. Denn die besondere Kunst der Führung im Unternehmen oder in der Politik besteht nicht darin, die eigene Persönlichkeit in allen Facetten auszuleben. Vielmehr werden Sie für eine bestimmte Aufgabe engagiert, die sie „verkörpern“ – und zwar auf sehr persönliche Weise und mit möglichst hoher Glaubwürdigkeit.

„Bleiben Sie immer sachlich.“ Was für den Ehestreit ein guter Rat sein kann, hilft Ihnen beim Reden herzlich wenig. Denn wie wollen Sie als Redner jemanden begeistern und überzeugen, wenn Sie selbst nicht „bewegt“ sind und keine Emotionen zeigen. Das ist so gut wie unmöglich. Leider stehen das Persönliche und die Gefühle beim deutschen Redner nicht hoch im Kurs, sondern eher Bodenständigkeit und Sachlichkeit. Zu groß ist die Angst, als „eitel“ angesehen oder als Selbstdarsteller gebrandmarkt zu werden. Wer aber in diese Falle tappt, wird es kaum schaffen, sein Publikum zu überzeugen. Denn nur wenn Sie es als Redner schaffen, sich einen Zugang zu Ihrem Publikum zu verschaffen, werden die Menschen im Saal Ihre Argumente auch annehmen. Und das geht eben nur mit Emotionen. Zu viel Theatralik allerdings ist sicher auch der falsche Weg – Ihre Emotionen müssen immer angemessen sein und zum Redeanlass passen. Übertreiben Sie es also nicht!

„Manipulieren Sie Ihr Publikum nicht.“ Viele Redner agieren auf der Bühne eher vorsichtig und ängstlich. Dahinter steckt der „Mythos der Manipulation“. Der Gedanke, als Manipulator angesehen zu werden, hemmt Sie als Redner aber nur unnötig. Befreien Sie sich daher von Ihrem schlechten Gewissen: Die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass es so gut wie unmöglich ist, andere Menschen allein durch Worte zu Einstellungen zu bewegen, die nicht ihren eigenen Grundüberzeugungen entsprechen. Ja, Redner können Menschen überzeugen und beeinflussen, Überredung ist ja der Zweck der Rhetorik – in der Regel meistens aber eben nur im engen Bereich dessen, was schon an Überzeugungen und Werturteilen vorhanden ist.

„Achten Sie auf Ihre Gestik und Ihre Mimik.“ Ein Ratschlag, wie ihn Redner immer und immer wieder zu hören bekommen. Leider führt die Beschäftigung mit solchen „Nebenkriegsschauplätzen“ meist von den zentralen Fragen weg, mit denen sich ein Redner viel eher beschäftigen sollte. Nämlich: Welche Haltung habe ich überhaupt zu dem, worüber ich spreche? Was begeistert mich am Thema? Was interessiert mein Publikum und wie lautet meine Kernbotschaft? Welche Geschichten kann ich erzählen, um meine Argumente glaubhaft und anschaulich zu machen? Wenn diese Fragen schlüssig beantwortet sind, folgen Worte und Gesten in den meisten Fällen wie von selbst! Der Einfluss der Körpersprache ist jedenfalls bei weitem nicht so groß, wie viele denken.

Überzeugende Worte im Kirchenschiff

20. Mai 2015

„Richtig geil“ – so lautete das Urteil eines 16-jährigen nach der Predigt eines katholischen Bischofs. Sicher ein eher ungewöhnliches Urteil, unpassend aber war es nicht. Denn nicht nur die Jugend war begeistert an diesem Firmsonntag, selbst viele der älteren Kirchenbesucher zeigten sich angetan von der Rede. Ganz offensichtlich hatte der Geistliche mit seinen Worten den richtigen Ton getroffen.

Ansgar Puff, Weihbischof aus Köln, machte in der Tat vieles richtig mit seiner Rede in der kleinen Kirche im rheinischen-bergischen Biesfeld. Ihm gelang – aus rhetorischer Sicht – schlicht und einfach eine nahezu perfekte Predigt. Ganz entscheidend war (und das ist auch für andere Reden essentiell): Puff war sich über seine eigene Haltung im Klaren, nahm sein Publikum ernst und versuchte stets, auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern zu reden – sogar wortwörtlich, denn er sprach vom Mittelgang aus zu den Zuhörern. Der Bischof wusste genau, dass er nur auf diese Weise eine überzeugende Wirkung erreichen kann.

„Was passiert,“ fragte Puff zum Beispiel, „wenn ein guter Mensch einen bösen liebt?“ Seine Antwort fiel überraschenderweise sehr umgangssprachlich aus: „Er kriegt auf die Fresse. So wie Jesus, der für uns gestorben ist.“ Nicht nur die meisten Jugendlichen schauten bei dieser Aussage doch etwas überrascht auf, ganz nach dem Motto: Hat der das jetzt wirklich gesagt? Der Weihbischof hatte – und die Botschaft kam umso deutlicher an. Als Zuhörer hatte man das Gefühl: Da sagt jemand, was er meint – in einfachen, klaren Worten.

Als Puff auch noch erzählte, dass er neuerdings immer an die Narbe der Romanfigur Harry Potter denken müsse, wenn er Jugendlichen bei der Firmung das Kreuzzeichen auf die Stirn zeichne, hatte er sein Publikum endgültig für sich eingenommen. Die Narbe sei – im Roman – ein Zeichen der Liebe und erinnere Harry stets an seine Mutter, die für ihn „aus Liebe“ gestorben sei. Und ganz ähnlich, so Puff, sei es doch auch bei gefirmten Christen, die mit dem Kreuzzeichen aus Chrisam-Öl auf der Stirn ebenfalls „gekennzeichnet“ seien und die dieses Kreuz immer an die Liebe Gottes erinnern solle.

Insgesamt gelang Puff – mit dieser und weiteren Geschichten, mit Bezügen zu sozialen Medien, mit humorvollen Wendungen – eine überaus lebendige, sehr zugewandte Predigt, die er in ruhigem Ton, aber engagiert und ohne Manuskript vortrug. Und der Bischof wurde sogar persönlich, zitierte seine Mutter und schilderte anhand dieses Beispiels seine persönliche Entwicklung, die er als Christ durchlaufen habe. Als Kind, so Puff, habe ihm seine Mutter immer gesagt, Gott liebe ihn nur, wenn er brav und fleißig sei. Das aber, so habe er als Erwachsener und Theologe erkannt, sei falsch. Gott liebe – aus seiner heutigen Sicht – die Menschen immer und jederzeit. Ermutigende Worte, die bei den jungen Menschen so ankamen, wie sie gemeint waren. Das Urteil des Jugendlichen zeigt, wie gut.

Lernen vom Tesla-Boss

19. Mai 2015

Dass Tesla-Chef Elon Musk mit neuen Geschäftsideen und Produkten für Aufsehen sorgen kann, hat er mehrfach bewiesen. Denn ob Automobilindustrie, Raumfahrt oder Energiewirtschaft – Musk gilt als visionärer und erfolgreicher Unternehmer, als „Bad Ass“. Das gilt selbst vor dem Hintergrund, dass die Profitabilität seiner Unternehmungen bisher nicht immer den prognostizierten Erwartungen entspricht. So machte der Automobilhersteller Tesla zum Beispiel im ersten Quartal erneut Verluste – die Aktie stieg dennoch um zwei Prozent. Erst 2020 rechnet Tesla mit einem Nettogewinn.

Das kann nur eines heißen: Die Vision zählt mehr als der unmittelbare wirtschaftliche Erfolg. Anleger und Kunden glauben an den langfristigen Durchbruch, der vor allem von einer Person verkörpert wird: Elon Musk. Manchmal reicht sogar schon ein einzelner Twitter-Tweet des Unternehmers, um die Fans der Marke und die Börse regelrecht in Wallung zu bringen: Eine kryptische Produktankündigung erhöhte den Wert von Tesla vor kurzem umgerechnet von einem Moment auf den anderen um rund zwei Milliarden Dollar – der vermutlich wertvollste Tweet aller Zeiten! Klar ist aber ebenso: Auch die „reale“ Börse des Multimilliardärs und PayPal-Gründers ist nach wie vor prall gefüllt, so dass seine Unternehmen derzeit noch längere Phasen ohne Gewinne überstehen können.

Kein Produkt, eine Lösung

Wie gut Musk es versteht, neue Produkte zu verkaufen (er selbst spricht lieber von „Lösungen“), zeigt auch der jüngste Wurf des Unternehmers: die „Powerwall“, ein neuer Energiespeicher für die heimische Solaranlage. Mit diesen neuen Akkus für den Hausgebrauch und für Unternehmen möchte Musk den Energiemarkt revolutionieren. In Los Angeles stellte Musk das neue Produkt vor einigen Tagen sehr medienwirksam vor. Ob die Powerwall ein Erfolg wird, kann zwar noch niemand sagen, anderer Wettbewerber setzen ebenfalls auf dieses Segment – seine Keynote gelang Musk dafür aber recht überzeugend. Dabei erinnerte die Präsentation stark an die „Kult-Präsentationen“ von Apple-Gründer und „Visionär-Vorbild“ Steve Jobs: Viele, sorgfältig ausgewählte Bilder, reduzierte Grafiken, sehr wenig Text, zeitgemäße Typo, insgesamt ein schlichtes, „cooles“ Design.

Auch die Art und Weise des Vortrags entsprach in weiten Teilen dem Vorbild des Apple-Chefs – im Grunde fehlte nur der legendäre schwarze Rollkragenpullover. Im Gegensatz zu Jobs war bei Musk allerdings eine leichte Nervosität zu spüren. Auch sein Lachen wirkte zuweilen unsicher, sogar etwas linkisch. Ganz offensichtlich – und das zeigten auch andere Auftritte zuvor – gehören öffentliche Auftritte nach wie vor nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen des Redners. Um so bemerkenswerter war sein Auftritt in Los Angeles. Daraus spricht offensichtlich seine tiefe Überzeugung, die Rede nicht als „Pflichtveranstaltung“ anzusehen und abzuhandeln. Musk kennt die Bedeutung solcher Auftritte sehr genau – und nutzt seine Chance. Elon Musk gelang es in Los Angeles, sein Publikum bei der Stange zu halten. Er sprach frei, nahm sogar Versprecher und Wiederholungen in Kauf – wirkte dadurch aber auch vergleichsweise natürlich.

Gründlich vorbereitet

Dabei liegt die Betonung auf „wirkte“, denn ebenso wie bei Apple sind die Kernelemente derartiger Produktpräsentationen penibel und lange vorbereitet, ganz nach dem Grundsatz: Hinter allem, was leicht aussieht, steckt eine Menge Arbeit. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren lassen sich dennoch schnell zusammenfassen: Definiere ein oder zwei Probleme – präsentiere unmittelbar danach eine passende Lösung. Zeige Humor. Sprich möglichst viele Sinne an, nicht nur das Gehör. Schaffe „Aha-Momente“, die das Publikum nicht vergisst. Sprich nicht zu lang. Und, ganz wichtig: Wähle Dein Publikum im Vorfeld sorgfältig aus. Wie bei Apple befanden sich auch bei dieser Rede ganz offenbar (zumindest nach den Zwischenrufen und dem Applaus zu urteilen) vor allem Fans der Marke im Saal – ein solches Publikum zu überzeugen, fällt natürlich wesentlich leichter, als dies bei einer eher kritisch eingestellten Zuhörerschaft der Fall wäre.

Für ein Schmunzeln sorgte während der Rede beispielsweise die bildliche Darstellung bisher verwendeter Akkus und deren launige Beschreibung als „teuer“, „unzuverlässig“, „hässlich“ und „unattraktiv“ – so etwas müsse man einfach besser machen, so Musk. Um sich davon zu überzeugen – und hier zog Musk die Menschen konkret mit ein und forderte sie zur Aktivität auf –, müssten sich die Zuhörer im Saal nur kurz umdrehen. An der Rückseite des Saals seien „Powerwalls“ in verschiedenen Farben und Größen aufgehängt. Ein weiteres Highlight der Rede: Etwa in der Mitte der Rede offenbarte Musk seinen Zuhörern mittels Videoschaltung nach draußen, dass die gesamte Energieversorgung der Veranstaltung auf Sonnenenergie beruhe, die zuvor den neuen Energiespeichern gespeichert worden sei – ein echter „Wow“-Moment.

Fazit: Die gesamte Rede ist gut orchestriert und durchdacht. Elon Musk macht seine Sache gut, auch wenn er die Brillanz der Apple-Keynotes noch nicht ganz erreicht. Redner können dennoch einiges ab-lernen, vor allem: ihr Publikum nicht zu langweilen, sondern es zu unterhalten und so eine maximale Wirkung und Überzeugungskraft zu entfalten. Eine gute Vorbereitung ist dazu allerdings unerlässlich.